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Wally Zimmerli |
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Die unglaubliche aber wahre Geschichte der Wally Zimmerli Das Schicksal meinte es nicht gut mit Wally am 10.April 2007, eine Sekunde der Unaufmerksamkeit beim befahren einer Spitzkurve, liess das Vorderrad ihres Rennvelos mit dem Hinterrad ihres davor fahrenden Ehemannes (Hansi) touchieren, sie wurde ausgehebelt und schlug mit dem Kopf voll auf dem harten Strassenbelag auf. Wally war augenblicklich bewusstlos und regte sich nicht mehr. Trotz tragen eines Velohelmes waren die Hirnverletzungen von grosser Tragweite. Es lief sofort eine grosse Rettungsaktion an, die Wally mit einem Helikopter vom nahen deutschen Riedlingen ins Kantonsspital Basel überflogen. Wally war in einer lebensbedrohlichen Situation und die Ärzte versuchten das Überleben von Wally zu sichern. © Basler Zeitung; 11.04.2007; Seite 13 nachrichten 64-jährige Radfahrerin schwer verletzt KANDERN. Westlich vom deutschen Kandern kam es gestern Nachmittag zu einem schweren Verkehrsunfall. Ein Schweizer Ehepaar war mit den Fahrrädern von Tannenkirch nach Riedlingen unterwegs und wollte auf einer abschüssigen Strasse nach links abbiegen, wie die Polizeidirektion Lörrach am Dienstag mitteilte. Dabei stiess die 64-jährige Frau gegen das Hinterrad ihres Mannes und stürzte. Obwohl sie einen Velohelm trug, verletzte sie sich schwer und musste in ein Krankenhaus geflogen werden. Wally und Hansi Zimmerli sind seit 1991 Mitglieder bei der Skisektion des TVRiehen respkt. SSC Riehen und waren immer die Integrationsfiguren sowohl als Sportler als auch für die Verpflegung nach unseren Mittwochtrainings in unserem Clublokal besorgt. Besonders Wally war immer da und nach den selbst mitgelaufenen Trainings, mit viel Enthusiasmus beim Verkauf der frisch zubereiteten Sandwiches, Bretzel, Crèmeschnitten, Cornets, Wähen etc., im Doppeleinsatz. Sportlich war Wally absolut vorbildlich, als mehrfache Siegerin an Frauenläufen dominierte sie über Jahre ihre Kategorie. Mit ihrem Ehemann Hansi (Ex-Radrennfahrer) machte sie mehr als 3 Jahrzehnte Rennvelo Ausfahrten über Tausende von Kilometer und galt als äusserst konditionsstark und ausdauernd. Das gab uns auch die Hoffnung dass Wally nach ein par Tagen wieder erwachen würde und alles wie ein böser Traum bald vorüber ist. Aber es vergingen Wochen und es folgten 4 weitere Operationen im Gehirnbereich. Jede Woche fragten wir Hansi, der den Verpflegungsjob stellvertretend für Wally beim SSC Riehen weiterführte, aber immer wieder musste er uns vertrösten. Wally war seit dem Unfall nicht mehr ansprechbar und eigentlich nur die Atmung funktionierte noch selbständig. Sie musste künstlich ernährt werden. Die Berichte der ersten Besuchenden waren erschütternd und mit jeder weiteren Woche ohne Hoffnungsschimmer wuchs unsere Sorge. Es vergingen Wochen und Monate ohne dass sich eine Besserung abzeichnete und die Befürchtung bestand nur noch zwischen dem Schlimmsten und dem Zweitschlimmsten nämlich, dass sie uns einfach ohne noch etwas zu sagen wegsterben würde oder einfach nur noch da war. Trotzdem besuchten sie ihre Familie, Ehemann Hansi, Tochter Nicole mit Kinder und besonders ihr Bruder Heinz der mehrmals wöchentlich aus Solothurn anreiste, sie lösten sich im Turnus jeden Tag ab. Auch sehr treue Clubmitglieder besuchten Wally und gaben die Hoffnung nicht auf. Selbst die spezialisierte REHAB verwies nach einer nochmaligen Verlängerung Wally in ein Pflegeheim, was sozusagen einer Resignation oder Aufgabe gleichkam. Ich selber hatte grosse Probleme für einen Besuch, ich kenne Wally seit meinem 20.Lebensjahr und wir haben uns fast ein ganzes Leben immer wieder sportlich begleitet. Ich konnte es nicht ertragen diese äusserst sportliche und vitale Frau einfach daliegen zu sehen und ich hoffte immer endlich auf einen besseren Bescheid um einen Besuch zu machen. Mitte April 2008, nach einem Jahr praktisch ohne Hoffnung, wagte ich es Wally im Humanitas in Riehen zu besuchen. Ich ging einfach alleine hin und betrat mit einem sehr ängstlichen Gefühl das Zimmer. Wally lag in Zivilkleidern auf dem Bett und ich sagte beim betreten "Wally endlich komme ich dich besuchen", sie wendete den Kopf mir zu und strahlte mich mit ihren wachen Augen an. Ich beugte mich über sie und sagte "Bruno ist da, geben wir uns die Hand wie immer", ich gab ihr die Hand und sie drückte mir relativ kräftig die Hand. Sie hatte eine positive eher lächelnde Ausstrahlung und musterte mich unentwegt mit ihren wachen Augen. Ich erzählte was das Zeugs hält und ich begann langsam um das Bett herum zugehen. Sie liess mich nicht aus den Augen und verfolgte mich jeden Zentimeter den ich in ihrem Blickwinkel verbrachte. Ich begann Pantomime zu spielen und sagte "ich gehe in den Keller" ich ging neben ihrem Bett als Pantomime die Stufen hinunter und kam wieder herauf. Ich hatte das Gefühl sie lachte sich innerlich halb kaputt und meine Glücksgefühle waren nicht zu halten. Ich sprach sie wieder an und sagte "Wally geben wir uns nochmals die Hand" und das unglaubliche Geschah, sie hob die rechte Hand einige Zentimeter, ich wiederholte diese Prozedur noch einmal und sie reagierte wieder richtig. Für mich wurde es nun sofort klar, dass sie mich versteht und wahrnimmt und auch die Aufforderung aufnehmen, verarbeiten und steuern kann. Es war ein sehr glücklicher Tag für mich und ich ging sehr zufrieden nach Hause. Ich dachte "Wally, ich bekomm dich hin". Ich besuchte sie nun in Abständen von einigen Tagen um vielleicht Tageschwankungen zu erkennen, es waren minimale Verbesserungen auszumachen indem sie z.B. versuchte mit dem Mund zu sprechen, es waren aber keine Laute zu vernehmen. Bei einem weiteren Besuch ergab sich durch Zufall, dass eine Akkordeongruppe, in der ich früher mitspielte, einen Unterhaltungsnachmittag im Humanitas abhielt und ich mit Wally im Aufenthaltsraum dem Konzert zuhörte. Ich hielt ihren Arm und schwenkte fast eine Stunde lang im Takt der gespielten Stücke mit. Im 6 köpfigen Orchester spielte auch Hanni Wickli mit, eine langjährige Begleiterin im Sportclub, die Wally auch herzlich begrüsste. Nach einem fast 2 wöchigen Besuchsunterbruch besuchte ich nun Wally, die Zwischenzeitlich ins Wesley-Haus bei der Claramatte verlegt wurde, wo sie Hansi besser und schneller besuchen konnte. Dieser Besuch dürfte die Wende eingeleitet haben. Denn ich besuchte eine Wally die nun völlig wach und mich lachend begrüsste. Sie begann zu sprechen und gab bereits hörbare Laute von sich, ihre Bewegungsfreiheit war frappant gestiegen und sie konnte sich bereits am Kopf kratzen. Ich sagte "Wally du kannst dich ja bereits kratzen wenns dich beisst" und sie konnte in ihrer bekannten Art herzlich lachen. Ich machte sofort Sprachübungen wie Aaa, Ooo, Uuu, Iiii, Eee und psst mit ihr und ich durfte ihr sagen "Wally du machst ja alles was ich dir sage" und sie quittierte wieder mit einem herzlichen Lachen. Ich sagte, „bewege deine Füsse“ und sie bewegte den Linken und den rechten Fuss. Für mich war nun klar es funktioniert alles und wir haben es geschafft. Bei jedem weiteren Besuch waren enorme Fortschritte zu erkennen und sie begann bereits mit leiser Stimme zu sprechen. Ich hielt ihr eine grüne Serviette hin und fragte sie "ist das Rot?" sie verneinte, "ist das Blau?" sie verneinte, "ist das Grün?" und sie bejahte. Grossartig du hast mir eine grosse Freude gemacht. Sie grinste locker und gelöst. Die nächste Hürde des Schluckreflexes war nun zu bewältigen, da Wally 1 Jahr künstlich ernährt werden musste konnte sie nicht mehr schlucken und musste das erst langsam wieder erlernen. Im Aufenthaltsraum stand eine Fruchtschale mit einer halben Banane, ich fragte Wally möchtest du diese Banane, sie schaute und bejahte, wahrscheinlich dachte sie schon, die ist gratis. Sie kaute 5 Minuten auf der Banane herum, brachte sie aber noch nicht hinunter. Mittlerweile ist dieser Prozess aber bereits erfolgreich angelaufen und sie beginnt sich immer mehr über den natürlichen Weg zu ernähren. Am 7.Juni 08 durften wir vom Ski- und Sport Club Riehen einen grossartigen Tag mit Wally erleben. Jürgen&Clara Neumann hatten nämlich die Idee, dass Wally uns in unserem Clublokal "dem Tröpfli" besuchen könnte. Hansi klärte die Situation beim zuständigen Arzt ab und bekam Grünlicht die Aktion mit Einverständnis von Wally zu realisieren. So kam es, dass an die 40 Clubmitglieder, Wally im Tröpfli mit Blumen und Brunch erwarteten. Es war ein unglaublicher emotionaler Moment als sie uns im Rollstuhl zuwinkte und so viele alte bekannte Gesichter sie applaudierend begrüssten. Es waren auch einige harte Jungs, die Tränen der Rührung freien Lauf liessen. Wally war 2 Stunden bei uns und alle konnten sie herzlich begrüssen und einige Worte mit ihr austauschen. Es war ein grossartiger Tag. Wally ist im Jahr ihrer Bewusstlosigkeit zweifache Grossmutter geworden und kann sich jetzt etwas verspätet an ihren Enkelkinder erfreuen. Der Lebenskreis hat sich auf wunderbare weise wieder geschlossen. Es ist noch ein weiter Weg bis Wally den Anschluss zur absoluten Selbständigkeit erreicht hat. Aber wir alle bitten das Schicksal darum, einmal anständig zu sein, denn Sie und ihre Familie hat es mehr als verdient. (8.6.08/ BW)
Zum Genesungsbericht von Wally:
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